Günter Schickert - Nachtfalter

hypnotische Klanglandschaften

Günter Schickert läßt den Nachtfalter fliegen

„Ich bin in Berlin geboren und ein Stadtmensch. Als Kind bin ich viel mit dem Bus und der U-Bahn gefahren. Der geile Rhythmus der Motoren hat sich mir eingebrannt. Meine Musik ist deshalb der lebenslange Ausdruck dieser Prägung.“ (Günter Schickert)

Mit Samtvogel (1975) hatte Günter Schickert auf dem legendären Brain-Label eine der der bedeutendsten Gitarrenplatten des Krautrock veröffentlicht. Aus heutiger Perspektive denkt man vor allem an Syd Barrett und die mehr abenteuerlichen Stücke der frühen Pink Floyd. 1980 folgte auf dem nicht weniger legendären Sky-Label mit Überfällig ein weiterer Meilenstein, auf dem Schickert erneut den hypnotischen Sound seiner Echogitarre zu einem der Kennzeichen des Krautrocks machte.

Mit dem neuen Album Nachtfalter knüpft Schickert nun an seine Anfänge an. Dass er zwischenzeitlich ins Pensionsalter eingerückt ist, merkt man der Platte nicht an. Die im heißen Sommer des Jahres 2018 eingespielte Platte zeigt den Pionier der Echogitarre in musikalischer Bestform. Assistiert hat ihm Andreas Spechtl, der die die Sessions von Schickert aufgenommen und durch Drums ergänzt hat. Zusammen ergab das ein zündendes Team: Spechtl suchte die besten Stellen aus den Gitarrentracks von Schickert heraus, mischte sie ab und ergänzte sie durch Loops.

Zwar war die Platte von vornherein als Instrumentalalbum geplant, entwickelte sich aber quasi unter der Hand zu einem Konzeptwerk: Der titelgebende Nachtfalter kam während die Sessions liefen hereingeflattert und setzte sich als stummer Gast an die Decke. Am nächsten Morgen lag er tot am Boden, wo ihn Schickert fürs Cover fotografiert hat. Angesichts von minimalistischen Tracktiteln wie „Ceiling“, „Flügelschlag“ und „Floor“ kann man das Album auch als Hommage an das tote Insekt hören.

Nach dem atmosphärischen Opener „Nocturnus“, auf dem von Schickert gespielte Muschelhörner eine etwas gruselige Stimmung erzeugen, geht es weiter mit dem fast siebenminütigem Krautrock-Ungetüm „Ceiling“, auf dem nicht nur die Musik abhebt, um das Gefühl einer Levitation zu erzeugen. Ein weiteres Highlight des Albums ist das drängende „Wohin“ mit dem insistenten, furiosen Getrommel von Spechtl, dessen Drum Patterns auf die heulende Echogitarre von Schickert treffen.

Einziges altes Stück ist der Closer „Reflections“, der am Ende die Summe der hypnotischen Klanglandschaften auf Nachtfalter zieht: Die Musik klingt wie der Soundtrack zu einem Horrorfilm, die Gitarrenklänge werden begleitet von Sounds, die nach Zugpfeifen klingen, dazu kommt das Quietschen und Brummen eines gequälten Analog-Synthesizers.

Hört man das aufregende Nachtfalter, so darf man sagen: Mit diesem großartigen Album ist Günter Schickert die perfekte Mischung aus dem hektischen Motorik-Rhythmus der Stadt und dem sanften Flügelschlag der Natur gelungen.

Tracklisting:

  • Nocturnus
  • Ceiling
  • Flügelschlag
  • Floor
  • Wohin
  • Light
  • Reflection Of The Future
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