„Seite 24“ – Das Debütalbum

Phela – Entstehung eines Debütalbums

Phela

„Nur nachts rieche ich noch Lavendel bei mir.“ Die Erinnerung an einen Lavendelgeist duftet beruhigend unter dem Kissen. Im Hintergrund spielt jemand auf einem verstimmten Klavier eine
verhallte Melodielinie in Moll.

Phela, 25, singt: „Ich wünsche dir eine Sprache aus Sand und mir ein Meer, das deine Worte wegspült.“ Phela schreibt Liebeslieder, deren Echtheit sich durch die in ihnen versteckten Widerhaken, ohne die keine Liebe denkbar ist, offenbart.

Zum zweiten Konzertabend der Tour in Dresden habe ich mit Phela kurz vom Soundcheck noch ausgelassen über den Song Lavendel, die Entstehungszeit des Albums und schöne Orte gesprochen.

„Der Song „Lavendel“ ist damals, vor 3 Jahren, als erster Song in Hannover entstanden, als ich gerade Jazzgeige studierte. Ich habe dann mit mein altes klappriges Klavier in den Schnee gestellt und das erste Musikvideo mit zwei Freunden aufgenommen. Das war die Zeit, als mich mein jetziger Produzent nach Berlin eingeladen hat und mit mir dann die Songs weiter ausgearbeitet hat.“ sagt Phela über die Enstehung des Songs „Lavendel“, welcher auch auf ihrem Debütalbum vorhanden ist.

„Seite 24“ – Das Debütalbum

„Ich rieche Rot, Blau, Violett und Gelb — mitten im Getreidefeld.“ Farben und Proust’sche Schlüssel aus Duft und Geschmack zur Kindheit durchwehen die elf Songs von Phelas Debütalbum „Seite 24“. Der Titel nimmt Bezug auf die Jahresringe der Bäume und auf die Seiten der Poesie: „Ich werfe rote Federn in die Luft, ein letztes Zeichen an die Zeit.“

Die vielen, poetisch eingefärbten Naturbilder und eindringlich verblichenen Polaroid-Farben in Phelas Liedern haben ihren Ursprung auf dem Fluxus – Bauernhof ihres Vaters, des Künstlers und Musikers Jeff Beer in Bayern.

„Hier war alles erlaubt“, sagt Phela bei einem Kaffee und einer Zigarette: „Mein Vater hat mir nie etwas verboten, alles war eine Welt der Möglichkeiten, alles wurde ausprobiert, wir hatten auch keinen Fernseher zu Hause.“ Stattdessen gab es im offenen Hof des Vaters Improv-Musik, Skulpturen aus gefundenem Material, Fotoserien von Bäumen aus dem Garten, permanente Besuche interessanter Familienfreunde.

„Die Songs selbst wurden ca. in einem ¾ Jahr geschrieben und später dann ca. 1 ½ Jahre im Berliner Studio arrangiert und aufgenommen wurden. Beim ersten Album Album kann man sich Zeit lassen. Das ist das Glück des ersten Albums – man kann sich Zeit nehmen und auf alles in Ruhe vorbereiten!“, erzählt mir Phela und hat dabei stets ein leichtes Lächeln auf den Lippen.
„Die Studio- und Livemusiker sind nach und nach in der Entstehungsphase dazu gestoßen. Das neue Album ist auch schon in Arbeit. Es wird fleißig an neuen Texten geschrieben und wir dann auch ein Bandalbum werden. Wir schließen uns dann mit den Scripten für das Arrangement der Songs ein. Irgendwo an einen schönen Ort.“, entgegnet sie weiter und zeigt damit deutlich auf, dass das Debütalbum auf keinen Fall ihr einziges Album sein wird.

Um gemeinsam zu sein mit ihrer zwei Jahre älteren Schwester, die als Kind Klavier spielte, lernte Phela das Geigenspiel „nach Gehör, nicht nach Noten“, wie sie betont, „um meine Schwester am Klavier begleiten zu können.“ Phela durchlief in ihren Jugendjahren anschließend eine vergleichsweise steile Karriere als klassische Geigerin, gewann Wettbewerbe, Preise und — brach von einem Tag auf den anderen alles ab, verschwand nach Paris, wo sie ausgerechnet ins stinkreiche erste Arrondissement hineingewürfelt wurde, mit der RER aber täglich in die Banlieus
fuhr, wo sie Fotos von Straßenmusikern machte, „weil sich die Sehnsucht zur Musik über drei Banden in mir zurückmeldete.“ Phela wählte den Weg „zurück nach damals“, ging wieder nach Deutschland, griff sich die verstaubte Geige, begann sie wie eine Gitarre mit der Hand zu spielen, zog nach Hannover. Dort begann sie Musik zu studieren, fühlte sich aber bald von der dort gelehrten Verwertungslogik abgestoßen.

Eine Station später, in Berlin, lernt sie Cecil Remmler, Marek Pompetzki und Paul Neumann kennen, die gemeinsam das Numarek Studio in Kreuzberg betreiben. Ohne, dass Phela zu diesem Zeitpunkt je eigene Songs gesungen hätte, vertrauen ihr die drei trotzdem und nehmen mit ihr den Song „Lavendel“ auf — mehr Material, außer einer handgeschriebenen Kladde voller Gedichte, Textminiaturen und Songideen, existierte 2013 noch nicht: „Es ist eigentlich unglaublich, dass die drei ganze zwei Jahre ihres Lebens in mich investiert haben, ich meine: Keiner von uns hatte doch eine Ahnung, ob ich die Musik, die wir da gemeinsam im Studio erarbeiteten, auch live würde
vortragen können.“

Phela über schöne Orte und ein Klavier, welches noch in Hannover wartet

Studio oder auch live? Muss man sich nicht wohl fühlen mit dem was man macht, gibt es einen besonderen Ort, einen schönen Ort den man als Künstler bevorzugt, wenn man ein neues Album erstellt?

„Was ein schöner Ort für mich ist? Ein schöner warmer Raum mit Ausstrahlung, Flair, Kerzen und, wie meine Jungs sagen, Mojo besitzen muss. Der Raum muss Musiker träumen von Studio in Irland oder anderen besonderen Orten. Ein besonderes Studio ist noch nicht ausgesucht, aber das hat auch noch ein wenig Zeit.“, entgegnet sie gelassen.

Das Vertrauen, der Mut, die Poesie und die Farben, und all dies gepaart mit Phelas grundtiefer Skepsis gegenüber einer Musikindustrie, die deutschsprachigen Pop mehrheitlich als generisches Radiofutter betrachtet, sind die Zutaten für einen der herausragenden Versuche unserer Tage, der deutschen Sprache eine eigene Tonalität abzuringen. Phelas Debütalbum ist die Gegenthese zu den Legionen von Musikern, die Musik wie einen Stock Market der Future Options betrachten.

„Schon seit ich sehen kann, bin ich bei dir“, singt Phela in dem Song „Zeichen“, „und wenn die Augen nicht schlafen wollten, dann gab es dich und das Klavier.“ Und abermals ist es da, dieses verhallte, entrückte, melancholische Piano, und erst mitten im Song bemerken wir Hörer, dass hier eine ganz ernste Botschaft an einen Ungenannten verschickt wird, um den sich mit tiefer Empathie gesorgt wird. Diese Empathie wandelt sich im Refrain zu einer zuletzt selten im Pop gehörten Euphorie: Wenn der unerwartete Akkordwechsel der getragenen Musik und der in ihr
zum Ausdruck gebrachten Nahbarkeit mit einem Mal eine Wucht und Dringlichkeit gibt, die jenseits jeder urbanen Coolness aufschlägt.

Fast schon tragisch, dass das verstimmte Klavier nicht den Weg gemeinsam mit Phela von Hannover nach Berlin gegangen ist, wo sie jetzt lebt. Sie hatte am Tag vor ihrem Umzug, quasi in einem Akt des Übermalens der eigenen Vergangenheit weiße Farbe über das Instrument geschüttet, bei einem Videodreh mit Freunden im Schnee, auf der alten Pferderennbahn von Hannover, aber die Farbe trocknete nicht mehr rechtzeitig. „Ich war mir gar nicht bewusst, wie schwer es ist, ein Instrument mit einer solchen Seele hinter sich zu lassen“, sagt Phela zum
Abschied: „Aber es war ein schönes Bild — das nun weiße Klavier im weißen Schneetreiben.“

Wir wünschen Phela auf Ihrer Tour viel Spaß und Erfolg. Gestresst wird Sie bei der Musik nicht, denn diese regt sie zum Träumen und nachdenken an.

Tourdaten 2016
31.01.2016 – Hamburg / Mojo Club – Live mit Cäthe
04.02.2016 – Dresden / Beatpol – Live mit Cäthe
05.02.2016 – Leipzig / Täubchenthal – Live mit Cäthe
13.02.2016 – Berlin / Heimathafen – Live mit Tex
14.02.2016 – Hamburg / Uebel & Gefährlich – Live mit Tex
15.02.2016 – Hannover / Pavillon – Live mit Tex
18.02.2016 – Dresden / Scheune – Live mit Tex
19.02.2016 – Magdeburg / Moritzhof – Live mit Tex
20.02.2016 – Nürnberg / MUZClub – Live mit Tex
21.02.2016 – München / Milla – Live mit Tex
23.02.2016 – Tübingen / Sudhaus – Live mit Tex
24.02.2016 – Köln / Kulturkirche – Live mit Tex
25.02.2016 – Frankfurt am Main / Brotfabrik – Live mit Tex
26.02.2016 – Heidelberg / Karlstorbahnhof – Live mit Tex
27.02.2016 – Neunkirchen / Stummsche Reithalle – Live mit Tex
28.02.2016 – Essen / Weststadthalle –
01.03.2016 – Leipzig / UT Connewitz – Live mit Tex
02.03.2016 – Rostock / Zwischenbau – Live mit Tex

Artist: PHELA
Album: „SEITE 24“
Release Date: 18. September 2015

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Weitere Informationen:
Artist: Phela
Album: Seite 24
VÖ: 18.09.2015
Format: CD
Genre: Pop
Label: Columbia d (Sony Music)